Wiedersehen mit alten Freunden

Sie sind mir seit ewigen Zeiten vertraut: der glatzköpfige rundgesichtige Papa und sein immer etwas verstrubbelt wirkender Sohn. Wie oft habe ich als Kind über die witzigen Bildgeschichten gelacht, sie mit Buntstiften ausgemalt und „Vater und Sohn“ um ihre lustigen Abenteuer beneidet. Ebenso vertraut wie ihre Gesichter ist mir der Schriftzug „e.o. plauen“ unter den Zeichnungen. Doch es dauert einige Jahrzehnte, bis ich zum ersten Mal nach Plauen kam und es „klick“ machte, als ich in der vogtländischen Stadt auf eine Skulptur meiner beiden Helden aus Kindertagen stieß: Aufgeweckt wie in meiner Erinnerung zieht die kleine Figur den großen, gemütlich und behäbig wirkenden Schnurrbärtigen am Arm und weist auf ein Gebäude. Ich folgte diesem Fingerzeig des Sohns und schon stand ich in der Galerie e. o. plauen, die dem Zeichner Erich Ohser gewidmet ist.
Die Kunsthistorikerin Dr. Elke Schulze kümmert sich darin um den Nachlass des Künstlers und bereitet spannende Ausstellungen rund um sein Lebenswerk auf. Bei einem Rundgang durch die Galerie entdeckte ich dann das tragische Schicksal des Schöpfers der amüsanten Bildgeschichten. Erich Ohser, der als Illustrator, Gebrauchsgrafiker und Pressezeichner arbeitete, bekam von den Nationalsozialisten ein Arbeitsverbot, nachdem er bissige Karikaturen über Hitler und Goebbels veröffentlichte. Um den Auftrag für die „Vater und Sohn“-Geschichten annehmen zu können, legte er sich das Pseudonym „e. o. plauen“ zu. Welche wichtige Rolle dabei seinem Sohn Christian zukommt, darüber berichte ich ein anderes Mal.
Kennen Sie ebenfalls die Bildgeschichten und welche ist Ihr Favorit?

Posted in Bad Elster & Vogtland, Kultur.

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