Wer war eigentlich Carl August Klingner?

Wie oft habe ich schon die Adresse Carl-August-Klingner-Straße 1 geschrieben oder gesagt – in den vergangenen drei Jahren sicher einige hundertmal, denn schließlich steht das Hotel König Albert just an dieser Stelle. Unbewusst habe ich mich dabei immer wieder gefragt, wer sich wohl hinter diesem klangvollen Namen verbirgt. Ein Musiker? Das würde zum Vogtland und der Kultur- und Festspielstadt Bad Elster passen. Aber falsch – Carl August Klingner war ein Apotheker, der von 1884 bis zu seinem Tod 1923 die Elsteraner mit allerlei Pülverchen und Heilmitteln versorgte. Allerdings inspirierte ihn der Ort auch zur Schriftstellerei und der Apotheker schrieb in seiner freien Zeit Bücher über Bad Elster, Bühnenstücke und Lieder. Für die Kurgäste und die Hofgesellschaft um König Albert engagierte sich der rührige Wahl-Elsteraner, der 1858 in Potsdam geboren wurde, ebenfalls. So organisierte er die Festspiele im Naturtheater und half mit, die königlichen Festlichkeiten und Jagden vorzubereiten. Das Brunnenfest, das immer noch jedes Jahr in Bad Elster stattfindet, geht ebenfalls auf Carl August Klingner zurück, der in diesem Jahr 160 Jahre geworden wäre.

Foto: Adresse mit spannender Geschichte – das Hotel König Albert, Carl-August-Klingner-Straße 1 in Bad Elster.
Copyright: Daniel Unger

Berühmter Gast – Reiner Calmund

Auch Nicht-Fußball-Fans kennen ihn – aus Kochshows wie „Grill den Henssler“ (die übrigens 2019 fortgesetzt wird), wo er als Jurymitglied verkostet, humorvoll kommentiert und bewertet: Reiner Calmund. Als der prominente Genießer und Feinkost-Experte vergangenes Jahr bei uns im Hotel König Albert Station machte, offenbarte er eine weitere Leidenschaft: Autos. Er besuchte das August Horch Museum in Zwickau. Dieses wurde kurz zuvor erweitert und präsentiert nun in der Dauerausstellung den Rennsport in den 1920er und 30er Jahren, als sich die Silberpfeile jagten, sowie den Automobilbau in Zwickau nach dem Krieg. „Calli“ wie Viele ihn nennen, ist für seine originellen und spontanen Sprüche bekannt und dabei auch oft selbstironisch: „Sie dürfen nicht so verkopft sein. Sie müssen aus dem Bauch reagieren. Sehen Sie mich an!“ Das merkt man auch bei der Lektüre seines kulinarischen Lebenslaufs „Eine Kalorie kommt selten allein“.

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Wellness vor 200 Jahren

Ich hatte ja schon von den Jubiläen, die Bad Elster in diesem Jahr feiert, berichtet. 1818 begann die Karriere der Stadt als Kurort. Woher man das weiß? Nun, Historiker fanden die erste offizielle „Curliste“ – wie man damals noch sagte. Darauf sind die Gäste verzeichnet, die hier im warmen Mineralwasser badeten. Natürlich gab es in dieser Anfangszeit noch keine mondänen Anlagen, diese wurden erst später erbaut – als die sächsischen Könige Bad Elster für sich entdeckten… In den ersten Jahren suchten die Kurgäste einfache Holzschuppen auf, entledigten sich darin ihrer Kleidung und stiegen in einen Holzzuber. Vor dem Schuppen wurde das Mineralwasser über offenem Feuer erhitzt und dann von dem Bademädchen in großen Kannen nach innen getragen und in den Zuber geschüttet… Nach dem Bad ging es in einen Pavillon, der ebenfalls aus Holz gebaut war und man erholte sich vom heißen Bad.
Wer sich das einmal konkret anschauen möchte, sollte noch bis zum Herbst nach Bad Elster kommen. Denn für das Jubiläumsjahr wurde ein historischer Badeschuppen maßstabsgetreu nachgebildet und liebevoll mit zahlreichen Details aus verschiedenen Archiven und Museen ausgestattet. Als Vorlage diente übrigens ein Gemälde, denn die Fotografie war noch nicht erfunden 🙂 Auch die Sommertour des MDR war im Badeschuppen zu Gast und berichtet in einem Beitrag darüber.

Foto: SSB/SR

Zeitreise in Bad Elster

Wenn ich manchmal durch den Kurpark schlendere, setze ich mich gerne auf eine Bank und schließe die Augen. Und dann dreht sich das Rad der Zeit zurück. Plötzlich knirscht der Kies unter tausenden Schritten, ich höre Lachen von allen Seiten und ganz viele unterschiedliche Sprachen. Die Sonnenschirme der vorüber flanierenden Damen lassen immer wieder Schatten über mein Gesicht tanzen… Musiktöne erreichen mein Ohr… ich bin im Bad Elster um 1900. Damals brachte ein Schnellzug aus Paris ständig neue Gäste in die Stadt. In den Pensionen und Hotels übernachteten Amerikaner ebenso wie Reisende aus Russland. Vier Mal so viele Urlauber wie heute kamen in den Kurort, um die Mineralwasserquellen und die Moorbäder zu nutzen. Hätte man damals schon die Solequelle entdeckt gehabt, hätte die Zahl der Sommerfrischler vermutlich alles Vorstellbare gesprengt.
In diesem Jahr blickt man in der Kultur- und Festspielstadt besonders oft auf die glorreiche Vergangenheit zurück. Gleich zwei Jubiläen gibt es zu feiern: 200 Jahre Gesundheitstradition und 170 Jahre Sächsisches Staatsbad. Der MDR hat deshalb einen interessanten Doku-Film gedreht, der Erstaunliches an den Tag bringt und selbst Bad Elster-Kenner überrascht…

Bild: Archiv Gundram Dunger

Wir feiern den Rhododendron

Meine beiden Rhododendron-Pflanzen haben den Winter gut überstanden und blühen wunderschön. In diesem Jahr sogar beide gleichzeitig 🙂 Gerade rechtzeitig zu ihrer Party! Denn am Wochenende findet das erste Rhododendronfest in Bad Elster statt. Auf einem großen Garten- und Naturmarkt kann man sich über die Pflanzen informieren und natürlich auch einige schöne Exemplare erwerben ( vielleicht bekommen meine beiden Stöcke noch Zuwachs 😉 ). Es wird Sonderführungen durch die historischen Parkanlagen geben und Vorträge der Deutschen Rhododendron-Gesellschaft. Und wie es sich für die Kultur- und Festspielstadt natürlich gehört, jede Menge Musik sowie einen Oldtimer-Korso. Volles Programm also!

Bad Elster im TV

Diese Woche gab es im Fernsehen einen Doku-Film über Bad Elster, der in der ARD Mediathek abrufbar ist. Der MDR geht in dem vierminütigen Beitrag der Frage nach, wie sich diese doch recht kleine Stadt (ca. 3.500 Einwohner) ein eigenes Orchester leisten kann. Meist nimmt man als Bewohner eines Ortes dessen Besonderheiten ja gar nicht so richtig wahr. Für mich und viele meiner Kollegen im Hotel König Albert ist es fast eine Selbstverständlichkeit, dass in Bad Elster kulturell ständig etwas los ist. Dass hier Musiker aller Genres Konzerte geben, dass man hier Violin-Virtuosen ebenso hören kann wie Jazz-Künstler oder Rockbands. In der TV-Sendung wird deutlich, dass dahinter viel Arbeit und Engagement sowie ein kluger Schachzug stecken.

Foto: CVG

Was Drache und Stollen miteinander zu tun haben

In der Winterzeit kann man im Hotel König Albert den „Drachenstollen“ der Feinbäckerei Wunderlich als Mitbringsel erwerben. Nun sind Drachen – diese feuerspeienden Sagenwesen – von dem Weihnachtsgebäck auf den ersten und auch auf den zweiten Blick so weit entfernt wie Palmen von Schnee oder wie Kokosnüsse von Tannenbäumen. Ich habe deshalb den Bäckereibesitzer Erik Wunderlich gefragt, was es mit dem Drachenstollen auf sich hat: Dieser Stollen wird nach dem Backen zwei Wochen lang in der Drachenhöhle Syrau gelagert. Diese Tropfsteinhöhle liegt knapp 40 Kilometer nördlich von Bad Elster und wurde vor 90 Jahren durch Zufall entdeckt. „Durch die konstant hohe Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent in der Höhle bei ca. zehn Grad ‚reift’ der Stollen bei optimalen Bedingungen“, so die Antwort von Erik Wunderlich. „Das heißt, er erhält eine sehr weiche Kruste, die ihn von den anderen Stollen unterscheidet.“ Bleibt nur noch zu ergänzen, dass man der Höhle ihren Namen aufgrund einer alten Sage gab, nach der einst ein Ungeheuer in Syrau gehaust haben soll. Heute ist die Drachenhöhle eine Touristen-Attraktion (Film Drachenhöhle) und der in ihr gereifte Stollen eine vogtländische Spezialität, die es mit Rosinen oder Cranberry gibt.

Stollen auf dem Prüfstand

Kennen Sie das auch? Sie riechen einen speziellen Duft und schon fällt Ihnen eine ganz besondere Situation ein? Das ging mir letztens wieder so, als ich einen frischen Stollen anschnitt… Das Aroma von Mandeln und Rum erinnerte mich an die außergewöhnliche Aktion, die wir im vergangenen Winter im Hotel König Albert hatten: Damals waren wir die Gastgeber der offiziellen Stollenprüfung und hatten den Stollen-TÜV im Haus.
21 Bäcker brachten ihre köstlichen Kreationen nach Bad Elster und richteten das für das Vogtland und Sachsen so typische Weihnachtsgebäck höchst appetitanregend in unserer Lobby an. Wer Hunger hatte, konnte einem leid tun, denn die hervorragenden Stücke waren erstmal nicht für uns zum Verzehr bestimmt… Stollenprüfer Michael Isensee vom Deutschen Brotinstitut waltete seines Amtes und verkostete jeden einzelnen der 36 angebotenen Stollen. Er bewertete Form und Aussehen, Oberflächen- und Krusteneigenschaften, Lockerung und Krumenbild, Struktur, Elastizität, Geruch und Aroma. Sein Testergebnis konnte sich sehen lassen: Mehr als 83 Prozent der Stollen erhielten die Note „sehr gut“ und damit die Höchstpunktzahl 100. „Ein Spitzenresultat“, freute sich der Stollenprüfer. „In Sachsen kann man schon immer gut Stollen backen, aber diese hohe Quote an Produkten mit voller Punktzahl wie sie im Vogtlandkreis erzielt wurde, ist selten.“
Selbstverständlich kommen unsere Gäste auch in diesem Jahr in den Genuss der köstlichen und prämierten Vogtlandstollen: Auf dem Frühstücksbuffet finden sie Weihnachtsstollen der Feinbäckerei Wunderlich aus Schreiersgrün und als Souvenir können sie sich den „Drachenstollen“ mit nach Hause nehmen. Was es damit auf sich hat, berichte ich beim nächsten Mal.

Aschenbrödel in Bad Elster und Moritzburg

Für viele gehört er zu Weihnachten wie der geschmückte Baum: der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ hat Kultstatus. Vom 10. bis 12. Dezember gastieren die Landesbühnen Sachsen mit dem gleichnamigen Musical im König Albert Theater in Bad Elster. Die Inszenierung von Manuel Schöbel wird mit zahlreichen Songs und der originalen Filmmusik von Karel Svoboda auf die Bühne gebracht. Eine schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit!

Der tschechisch-deutsche Märchenfilm wurde übrigens 1973 auf Schloss Moritzburg gedreht. Die beeindruckende Schlossanlage liegt rund 15 Kilometer nördlich von Dresden und sieht so aus, wie man sich ein Märchenschloss vorstellt: dicke trutzige Mauern, runde Türme, gekrönt von roten Dach-Mützen, eine große Teichlandschaft und ein ausgedehnter Schlosspark drumherum – kein Wunder, dass die Filmcrew dort eine ideale Szenerie vorfand. In den Wintermonaten gibt es auf Schloss Moritzburg immer eine Ausstellung zum Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, in diesem Winter hat sie bis 25. Februar 2018 geöffnet. Besucher erfahren dabei Hintergrundgeschichten zum Dreh, entdecken nachgestellte Filmszenen, Originalkostüme und Requisiten. Zudem läuft ein umfangreiches Begleitprogramm mit Filmvorführungen, historischem Tischtheater, Backofentagen in der Schlossküche und abendlichen Rundgängen mit dem Kurator der Ausstellung. Der 3-Haselnüsse-Ball am 17. März 2018, bei dem man sich wie in die Ball-Szene gebeamt fühlt, beendet dann die Aschenbrödel-Saison.
Foto: Schloss Moritzburg im Schnee – Bild: Schlösserland Sachsen, Hilsky (www.schloesserland-sachsen.de)

Neues vom Moosmann

Vor kurzem habe ich vom Moosmännel berichtet, einer Sagengestalt aus dem Vogtland, die hier sehr gegenwärtig ist. Klaus Schädlich, der sich seit langer Zeit mit dieser Figur beschäftigt und Moosmännchen aus Utensilien, die er im Wald findet, herstellt, hat mir nun Fotos seiner Kreationen geschickt. Auch weiteres Infomaterial zur Sage hat er in die Post gesteckt. Seinen Forschungen nach waren die Waldgeister nicht größer als dreijährige Kinder und lebten im undurchdringlichen Dickicht – hohle Bäume und Felsspalten boten ihnen ein Quartier. „Der Wilde Jäger war ihr schlimmster Feind“, so der Moosmannschnitzer. „Vor ihm schützte nur ein Baumversteck, in das drei Kreuze geschlagen wurden. Darum baten die Moosleutchen die Holzhauer, diese Zeichen in den Baumstock zu schlagen und dankten es ihnen mit Laub, Holzspäne oder Tannenzapfen, die sich später in Gold verwandelten.“ Wer heute durch das Vogtland reist, sieht sicher das eine oder andere von Klaus Schädlich liebevoll geschnitzte Moosmännel in den Fenstern stehen.
Foto: Norman Timpe